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Klettersteig

Schulterschmerzen nach dem Klettersteig: Was im Allgäu wirklich hilft

Nach Tegelberg oder Säuling schmerzt die Schulter? Was dahintersteckt, was wirklich hilft – und wie Sie sich für die nächste Tour besser vorbereiten.

BH
Birgit HorstmannInhaberin · Osteopathin · Heilpraktikerin
veröffentlicht18. Sept. 2026
lesezeit5 Min.
Schulterschmerzen nach dem Klettersteig: Was im Allgäu wirklich hilft

Der Klettersteig auf den Tegelberg oder über den Säuling war das Ziel der letzten Bergtour, und jetzt, ein bis zwei Tage später, schmerzt die Schulter beim Anheben des Arms oder beim Griff ins obere Regal? Schulterschmerzen nach dem Klettersteig gehören zu den Beschwerden, mit denen Bergsportlerinnen und Bergsportler aus dem Ostallgäu in der zweiten Saisonhälfte zu uns kommen. In den meisten Fällen steckt keine ernste Verletzung dahinter, sondern eine Überlastung von Schulter- und Nackenmuskulatur durch die vielen Zugbewegungen am Drahtseil. Was dabei im Gewebe passiert, woran Sie eine harmlose Überlastung von einem Fall für den Arzt unterscheiden und wie wir im aktivlife Zentrum helfen, erklären wir in diesem Beitrag.

Klettersteige im Allgäu fordern Schulter und Nacken auf ungewohnte Weise

Ob Tegelbergsteig, Fingersteig oder der Klettersteig am Säulinghaus: Rund um Füssen und Schwangau finden Sie bis in den Oktober hinein reizvolle Drahtseil-Touren mit Blick auf die Königsschlösser und die Zugspitze. Anders als beim Wandern hängt am Klettersteig immer wieder das komplette Körpergewicht an den Armen, oft über dem Kopf und für Sekunden bis Minuten am Stück. Dazu kommen das Gewicht von Rucksack und Sicherungsset sowie das ständige Umhängen der Karabiner. Diese Kombination aus Überkopfarbeit und Zugbelastung ist für die Schulter ungewohnt und reizt genau den Bereich, der auch bei Berufen mit viel Überkopfarbeit oder bei Sportarten wie Schwimmen und Tennis häufig betroffen ist: den schmalen Raum unter dem Schulterdach.

bis 70 %der Schulterschmerzen entstehen im Raum unter dem Schulterdach
50 %der Betroffenen sind nach sechs Monaten beschwerdefrei
>80 %der Klettersteig-Notfälle passieren an armkraftfordernden Passagen
seit 2011Physiotherapie und Osteopathie unter einem Dach in Füssen

Die meisten Beschwerden sind ein subakromiales Schmerzsyndrom, keine Verletzung

Laut Gesundheitsinformation.de, dem Patientenportal des IQWiG, entstehen bis zu 70 Prozent aller Schulterschmerzen in genau diesem subakromialen Raum, meist durch eine Kombination aus Überlastung, leicht geschwächter Muskulatur und individueller Anatomie. Der früher gebräuchliche Begriff Impingement-Syndrom wird zunehmend durch subakromiales Schmerzsyndrom ersetzt, da Befunde wie kleine Kalkablagerungen oder Sehnenveränderungen im Bildgebungsbefund auch bei völlig beschwerdefreien Menschen auftauchen und daher allein wenig aussagen. Die gute Nachricht: Etwa die Hälfte der Betroffenen ist bereits nach sechs Monaten wieder beschwerdefrei, auch ohne größere Eingriffe. Mit der richtigen Bewegungstherapie geht das in aller Regel deutlich schneller und sicherer als mit reinem Abwarten.

Wichtig ist dabei, ein subakromiales Schmerzsyndrom nicht mit einer Frozen Shoulder zu verwechseln, bei der sich die Gelenkkapsel selbst entzündet und langsam versteift. Beim Klettersteig-typischen Überlastungsschmerz bleibt die Schulter grundsätzlich frei beweglich, auch wenn einzelne Bewegungen, etwa das Greifen nach oben hinten, schmerzhaft eingeschränkt sein können. Diese Unterscheidung ist mehr als Definitionsfrage: Sie entscheidet, ob vorsichtiges, zügiges Weiterbewegen sinnvoll ist oder ob die Schulter phasengerecht und langsamer aufgebaut werden muss.

Ursachenforschung statt Schonhaltung: So gehen wir im aktivlife Zentrum vor

Auch die aktuelle S2e-Leitlinie Subacromiales Impingement der AWMF, getragen von den Fachgesellschaften für Schulterchirurgie und Orthopädie, ist hier eindeutig: Bei einem subakromialen Schmerzsyndrom sollen physiotherapeutische Maßnahmen zunächst der Operation vorgezogen werden, mit manueller Therapie und gezieltem Training als Kernbausteinen. Genau hier setzen wir an. Statt nur das schmerzende Gelenk zu behandeln, schauen wir uns die gesamte Kette aus Nacken, Schulterblatt und Rumpf an, ganz ähnlich wie bei den Nacken- und Handgelenkschmerzen, die wir bei vielen Radfahrenden im Allgäu sehen. Unser elfköpfiges Team kombiniert manuelle Therapie und gezielten Kraftaufbau der Schulterblattmuskulatur mit, wenn die Reizung frisch ist, schonender Elektro- und Kältetherapie. Ergänzend arbeiten wir bei Bedarf osteopathisch an Brustwirbelsäule und Rippen, die bei der typischen Klettersteig-Haltung oft mitbelastet sind.

Am Klettersteig ist die Schulter oft nur der Kraftmesser für die gesamte hintere Kette: Nacken, Schulterblatt, Rumpf. Wer ausschließlich das schmerzende Gelenk behandelt und den Rest ignoriert, sitzt nach dem nächsten Klettersteig wieder bei uns.

Birgit Horstmann, aktivlife Zentrum Füssen

Für den Einstieg brauchen Sie dabei nicht zwingend zuerst einen Arzttermin: Mehrere unserer Therapeutinnen und Therapeuten sind sektorale Heilpraktiker für Physiotherapie und können viele Überlastungsbeschwerden direkt behandeln, wie wir im Beitrag Physiotherapie ohne Rezept beschreiben. Das spart wertvolle Zeit, gerade wenn die nächste Tour schon geplant ist.

Gut vorbereitet in die nächste Saison: Kraft und Technik zählen mehr als Willenskraft

Wie der Deutsche Alpenverein in seiner Analyse zu Klettersteig-Notfällen festhält, sind physische und psychische Überforderung die häufigste Ursache für Rettungseinsätze am Klettersteig, und über 80 Prozent der Notfälle ereignen sich an überhängenden, armkraftfordernden Passagen. Genau diese Stellen sind es auch, die im Nachgang am häufigsten für gereizte Schultern sorgen. Der DAV empfiehlt deshalb in seinem Ratgeber zur Tourenplanung für den Klettersteig eine ehrliche Selbsteinschätzung der eigenen Kondition vor der Tour sowie einen Kurs bei der Alpenvereinssektion oder einer Bergschule, um kraftsparendes Aufsteigen und den sicheren Umgang mit dem Sicherungsset zu lernen.

Genau an diesem Punkt setzen wir präventiv an: gezieltes Kraft- und Ausdauertraining für Schulter, Rücken und Rumpf im Personal Training, ergänzt durch unseren von den Krankenkassen bezuschussten Wellengang-Präventionskurs für alle, die ihre Muskulatur über die Saison hinweg belastbar halten wollen. Wer die Schulter schon vor der Tour kräftigt, statt sie erst danach zu behandeln, kommt seltener mit schmerzendem Arm bei uns an.

Wenn Ihre Schulter nach dem letzten Klettersteig schon länger schmerzt oder Sie sich für die nächste Saison besser vorbereiten möchten: Fragen Sie jetzt einen Termin an oder rufen Sie uns an unter 08362 5059111.

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Diagnose oder individuelle Beratung.

● FAQ

Warum schmerzt die Schulter nach einem Klettersteig?
Meist steckt keine akute Verletzung dahinter, sondern eine Überlastung von Schulter- und Nackenmuskulatur durch viele Zugbewegungen mit angehobenem Arm am Drahtseil. Das reizt häufig den Raum unter dem Schulterdach, medizinisch subakromiales Schmerzsyndrom genannt.
Wie lange dauern Schulterschmerzen nach dem Klettersteiggehen?
Eine reine Überlastungsreaktion bessert sich bei vielen innerhalb weniger Tage bis zwei Wochen von selbst. Halten die Schmerzen länger an, werden sie schlimmer oder schränken sie die Beweglichkeit deutlich ein, sollte die Schulter untersucht werden.
Was hilft akut gegen Schulterschmerzen nach dem Klettern?
Kühlen in den ersten ein bis zwei Tagen, bei Bedarf kurzfristig schmerzlindernde Mittel, vor allem aber: die Schulter im schmerzfreien Bereich weiterbewegen statt komplett ruhigzustellen. Vollständige Schonung verzögert die Erholung eher, als dass sie hilft.
Wann sollte ich mit Schulterschmerzen nach dem Klettersteig zum Arzt oder in die Physiotherapie?
Bei Schmerzen nach einem Sturz oder ruckartigen Zug am Sicherungsset, bei plötzlicher Kraftlosigkeit, tastbaren Veränderungen oder Beschwerden über zwei Wochen hinaus sollten Sie das abklären lassen. Bei einem unkomplizierten subakromialen Schmerzsyndrom empfiehlt die aktuelle AWMF-Leitlinie ohnehin zunächst Physiotherapie vor einer Operation.
Wie bereite ich Schulter und Nacken auf den nächsten Klettersteig im Allgäu vor?
Gezieltes Kraft- und Ausdauertraining für Schulter, Rücken und Rumpf sowie eine kraftsparende Klettertechnik entlasten das Drahtseil-Gelände spürbar. Wir unterstützen das im aktivlife Zentrum mit individuellem Personal Training und, wo sinnvoll, mit unserem Wellengang-Kurs.
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