Blankoverordnung bei Schulterschmerzen: Was sich für Sie ändert
Auf dem Rezept für Ihre Schulter steht keine Behandlung? Was die Blankoverordnung bedeutet und was die erste Studie dazu wirklich zeigt.

Ihr Arzt oder Ihre Ärztin hat Ihnen wegen der Schulter Physiotherapie verordnet, aber auf dem Rezept fehlen Behandlungsart, Anzahl der Termine und Frequenz? Dann halten Sie vermutlich eine Blankoverordnung in der Hand. Sie gibt es seit dem 1. November 2024 bei Schulterdiagnosen: Die Ärztin stellt die Diagnose, die Physiotherapeutin entscheidet, welche Behandlung Sie wie oft bekommen. Im Mai 2026 ist der Abschlussbericht der ersten Studie dazu erschienen. Er macht Hoffnung, ist aber noch kein Wirksamkeitsbeweis. Was das für Sie als Patientin oder Patient in Füssen und im Allgäu bedeutet, erklären wir hier.
Auf der Blankoverordnung steht die Diagnose, die Behandlung bestimmt die Therapeutin
Bei einer normalen Heilmittelverordnung legt der Arzt fest, was Sie bekommen und wie oft. Bei der Blankoverordnung bleiben diese Felder bewusst leer. Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung können Ärztinnen und Ärzte sie bei Erkrankungen im Schulterbereich ausstellen, zum Beispiel bei Luxationen des Schultergelenks, Läsionen der Rotatorenmanschette oder Frakturen der gelenkbildenden Knochen. Die Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten bestimmen dann Heilmittel, Menge und Frequenz der Behandlung und übernehmen die wirtschaftliche Verantwortung.
Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg nennt 114 ICD-10-Diagnosen aus der Diagnosegruppe EX und eine Gültigkeit von höchstens 16 Wochen ab Verordnungsdatum. Für alle anderen Beschwerden gilt weiterhin die herkömmliche Verordnung. Auch bei Schulterdiagnosen darf Ihr Arzt sie weiter ausstellen.
Die erste Studie zeigt deutliche Besserung, aber keinen Vergleich
Für den Abschlussbericht EvaBVO der Universität zu Lübeck und der BTU Cottbus-Senftenberg wurden Patientinnen und Patienten vor und nach der Behandlung befragt. Ausgewertet wurden 65 Personen. Der Schulter-Fragebogen SPADI, der Schmerz und Funktionseinschränkung misst, verbesserte sich im Mittel um 27,3 Punkte. Als klinisch relevant gilt ein Unterschied ab 14 Punkten. Auch Lebensqualität und Bewegungsangst besserten sich, und 62 der 65 Befragten berichteten keine unerwünschten Ereignisse.
So sah die Behandlung in der Studie aus
Ein Blick in die Versorgungsdaten zeigt, was in der Praxis tatsächlich passierte. Im Mittel gab es 16 Termine über rund 12 Wochen, und die Wartezeit auf den ersten Termin lag bei durchschnittlich 14 Tagen. Am häufigsten wählten die Therapeutinnen und Therapeuten Manuelle Therapie (in 84,5 Prozent der Verordnungen), Krankengymnastik (56,3 Prozent) und Krankengymnastik am Gerät (36,6 Prozent). Bei gut der Hälfte der Patientinnen und Patienten (50,7 Prozent) endete die Behandlung, weil das Therapieziel erreicht war.
Das passt zu dem, was wir im Alltag sehen: Eine Schulter braucht selten dieselbe Behandlung wie die nächste. Wer nach einer Verrenkung kommt, braucht etwas anderes als jemand mit überlasteter Rotatorenmanschette nach einer Saison am Klettersteig.
— Birgit Horstmann, aktivlife Zentrum FüssenWer über Art und Dauer der Behandlung mitentscheidet, muss die Ursache kennen. Deshalb beginnen wir bei der Schulter nie mit dem Übungsblatt, sondern mit der Frage, warum gerade diese Schulter Probleme macht.
Das ändert sich für Sie, und das bleibt gleich
Neu ist, dass Ihr Behandlungsplan nicht mehr auf dem Rezept steht, sondern aus dem Befund der Therapeutin entsteht. Das kann bedeuten: mehr Termine am Anfang, weniger später, oder eine andere Kombination aus Manueller Therapie, Übungen und Geräten als bisher. Gleich bleibt die Zuzahlung. Laut Bundesgesundheitsministerium zahlen Versicherte ab 18 Jahren bei Heilmitteln zehn Prozent der Kosten zuzüglich 10 Euro je Verordnung.
Diese Fragen helfen Ihnen beim ersten Termin
Weil die Therapeutin den Plan selbst aufstellt, lohnt es sich, ihn zu verstehen. Der Berufsverband Physio Deutschland beschreibt die Aufgabe so: eigenständige Diagnostik, klinische Entscheidungsfindung sowie Planung und Steuerung der Therapie unter kontinuierlicher Erfolgskontrolle. Für Sie heißt das: Sie dürfen nachfragen. Diese Fragen haben sich bewährt:
- Welche Behandlungen sind geplant, und warum gerade diese?
- Woran merken wir beide, dass es Ihnen besser geht? Ein guter Maßstab sind Alltagsziele wie die Haare kämmen, den Arm über den Kopf heben oder eine Nacht durchschlafen.
- Welche Übungen können Sie zwischen den Terminen allein machen?
- Wann schauen wir gemeinsam auf den Verlauf und passen den Plan an?
Ein ehrlicher Hinweis gehört dazu: Die Entscheidungsfreiheit hat auch einen wirtschaftlichen Rahmen. Wie die KBV festhält, tragen die Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten die Verantwortung für die Wirtschaftlichkeit von Menge, Art und Intensität der Behandlung. Ein Plan, der Ihnen zu kurz oder zu lang vorkommt, ist deshalb immer ein Anlass für ein offenes Gespräch.
So gehen wir bei Schulterbeschwerden im aktivlife Zentrum vor
Ursachenforschung statt Symptombehandlung heißt bei der Schulter: Wir schauen auf Gelenk, Halswirbelsäule, Brustkorb und Haltung, bevor wir entscheiden, was Sie brauchen. Unser Team aus elf Therapeutinnen und Therapeuten verbindet dafür Krankengymnastik, Manuelle Therapie und bei Bedarf Osteopathie. Wie das bei einer verklebten Kapsel aussieht, lesen Sie in unserem Beitrag zur Frozen Shoulder.
Haben Sie eine Blankoverordnung oder eine herkömmliche Verordnung, rufen Sie uns vor dem ersten Termin an, dann klären wir, wie wir sie umsetzen. Haben Sie kein Rezept, können Sie viele Behandlungen bei uns auch direkt buchen, weil mehrere von uns sektorale Heilpraktiker für Physiotherapie sind. Das ist dann eine private Leistung, Details stehen in unserem Beitrag zur Physiotherapie ohne Rezept. Ist die akute Phase vorbei, können Sie Ihre Schulter im Wellengang-Präventionskurs nach § 20 SGB V weiter stabilisieren, den viele Krankenkassen bezuschussen. Wie das funktioniert, steht im Beitrag zum Präventionskurs mit Kassenzuschuss. Alle Leistungen im aktivlife Zentrum finden Sie auf unserer Website.
Termin anfragen oder direkt anrufen unter 08362 5059111.
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Diagnose oder individuelle Beratung.
● FAQ
- Was ist eine Blankoverordnung in der Physiotherapie?
- Bei einer Blankoverordnung stellt Ihr Arzt oder Ihre Ärztin die Diagnose, lässt aber Behandlungsart, Anzahl und Frequenz offen. Diese Entscheidung treffen die behandelnden Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten nach ihrem Befund. Seit dem 1. November 2024 gilt das für Schulterdiagnosen.
- Für welche Beschwerden gibt es die Blankoverordnung?
- Bisher nur für Erkrankungen im Schulterbereich, laut Kassenärztlicher Vereinigung Baden-Württemberg für 114 ICD-10-Diagnosen, zum Beispiel Luxationen, Läsionen der Rotatorenmanschette oder Frakturen der gelenkbildenden Knochen. Für alle anderen Beschwerden bleibt es bei der herkömmlichen Verordnung.
- Wie lange gilt eine Blankoverordnung?
- Ab dem Verordnungsdatum ist eine Blankoverordnung höchstens 16 Wochen gültig. Wir empfehlen deshalb, nach dem Arztbesuch zeitnah einen Termin zu vereinbaren.
- Muss ich bei einer Blankoverordnung etwas zuzahlen?
- Die gesetzliche Zuzahlung für Heilmittel beträgt laut Bundesgesundheitsministerium für Versicherte ab 18 Jahren zehn Prozent der Kosten zuzüglich 10 Euro je Verordnung. Wie sich das bei Ihrer Verordnung konkret berechnet, sagt Ihnen Ihre Krankenkasse oder wir im Erstgespräch.
- Ist die Blankoverordnung wissenschaftlich als besser belegt?
- Nein, das ist bisher nicht belegt. Eine erste Beobachtungsstudie mit 65 Patientinnen und Patienten zeigt deutliche Besserungen, hatte aber keine Vergleichsgruppe und kann daher keinen Vorteil gegenüber der herkömmlichen Verordnung nachweisen.
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